Mit weltwärts in Bocachica - Erlebnisse mit Worldwide Volunteers

Dieser Bericht ist eine kurze Zusammenfassung über meine Zeit in dem „Projecto Libertad“ (Projekt Freiheit) auf der kolumbianischen Insel Tierrabomba, in der Ortschaft Bocachica. Dort leben vor allem die Nachfahren afrikanischer Sklaven. Ich erzähle von meiner Arbeit in dem Projekt und meinen Erlebnissen mit Land und Leuten. Ich hoffe, dass sich dadurch Interessierte eine Vorstellung von einem „Weltwärts“-Jahr machen können und vielleicht auf den Geschmack kommen.

So weit so gut, aber wie fasst man ein Jahr seines Lebens zusammen? Zudem noch ein Jahr, in dem man so unendlich viel erlebt und gelernt hat. Am besten am Anfang.

Aller Anfang ist schwer?
Manche Menschen behaupten, dass aller Anfang schwer ist. Ich kann das nicht ganz abstreiten, doch muss ich sagen, dass ich mich sehr schnell eingelebt und an all die Umstände gewöhnt habe, die so anders sind als in Deutschland: kein fließend Wasser, keine Straßen und Autos, kein Supermarkt, ständig laut aufgedrehte Musik, das andere Aussehen der Menschen um mich herum, eine andere Sprache. Von unserer sauberen und gepflegten Unterkunft war ich angenehm überrascht, genauso von dem leckeren Essen. Nicht besonders angenehm war dagegen die erste Dusche, als ich das Klospülwasser (verunreinigtes Meerwasser) mit dem Frischwasser verwechselte und mir über den Kopf leerte. Was mir anfangs auch zu schaffen machte, war die Hitze, die mich sehr ermüdete und die Arbeit erschwerte. Von dieser Arbeit möchte ich gern ein bisschen mehr erzählen. Zunächst jedoch ein allgemeiner Überblick über das Projekt, in dem ich arbeite.

Das „Proyecto Libertad“
In Bocachica herrschen viele Nöte: fehlende medizinische Betreuung, unzureichende Bildung, keine stabile Lebensversorgung, mangelnde Hygiene, Gewalt in den Familien. Die Menschen leben vor allem vom Fischfang und Verkauf von selbst hergestelltem Schmuck an Touristen. Das „Projekt Freiheit“ begegnet den Menschen genau in diesen Problembereichen:

In unserer „Enfermeria“ arbeitet eine Krankenschwester, die sogar Tätigkeiten eines Arztes übernehmen muss, zum Beispiel Wunden nähen und Medikamente verschreiben und herausgeben. Zwei Mal in der Woche behandelt eine Zahnärztin. Seit einigen Jahren ist eine Klinik in Bau. Die Hoffnung ist, dass sie noch dieses Jahr fertiggestellt werden kann. Ob das jedoch möglich ist, hängt von Spenden ab.

Mehrmals im Jahr kommen Teams für ein bis zwei Wochen von verschiedenen Orten, wie den USA, Norwegen oder aus Kolumbien selbst. Sie werden in dieser Zeit in unserem Projekt beherbergt und angeleitet, Fußböden für Familien zu erstellen, die nur Erde als Boden in ihren Häusern haben, sowie Latrinen zu bauen, da viele ihre Geschäfte im Wald verrichten müssen. Manche Teams bestehen aus Ärzten und Krankenschwestern, die innerhalb von einer Woche bis zu 400 Patienten behandeln und auch kleine medizinische Eingriffe vornehmen.

Immer wieder werden Kurse angeboten, mit denen die Einwohner sich beruflich weiterbilden können, beispielsweise ein Bäckerkurs, Nähkurs oder ein Kurs zur Herstellung von Sandalen. Des Weiteren gibt es ein Patenschaftsprogramm. Etwa 90 Kinder bekommen drei Mal in der Woche ein warmes Mittagessen. Wir stellen ihnen das Schulmaterial, Schuluniform und Sportkleidung. Es gibt Geburtstagsgeschenke, Jahresabschlussfeiern, Ferienprogramm mit Spielen, Tagen am Strand und Kino-Nächten und außerdem Belohnungen für gute Leistungen in der Schule, wie etwa Ausflüge aufs Festland. Auch gibt es Gruppen, mit denen wir uns zu Spiel und Sport treffen. Nicht nur die Kinder werden in diesem Programm berücksichtigt. Wir arbeiten auch mit ihren Eltern. Dazu gehört eine sogenannte „Elternschule“, die einmal im Monat stattfindet. Es werden Sprecher zu verschiedenen Themen eingeladen, die für die Familien relevant sind, wie etwa sexueller Missbrauch oder Rechte und Pflichten der einzelnen Familienmitglieder. Zusätzlich wurden Elterngruppen ins Leben gerufen, in denen die Mütter sich über ihre Probleme austauschen und gegenseitig Hilfe bieten können. Auch wird jede Familie einmal im Halbjahr zu Hause besucht, um zu sehen, wie es dem Kind in der Schule, daheim und in seinem sonstigen Leben geht, ob es Probleme gibt und wo Hilfe gebraucht wird.

Unsere Bibliothek ist nicht nur den Kindern aus dem Patenschaftsprogramm, sondern jedem einzelnen in Bocachica, zugänglich. Sie wird vor allem dazu genutzt, für Hausaufgaben und Präsentationen in der Schule zu recherchieren und Englisch zu üben.

Meine Arbeit in Bocachica
Von Anfang an arbeitete ich im Patenschaftsprogramm. Mein Aufgabenbereich hat sich im Laufe des Jahres jedoch mehrmals verschoben, da einige Mitarbeiter in ihre Heimatländer zurückkehrten oder ihren Urlaub nahmen. Und dadurch, dass ich die Sprache mit der Zeit immer besser beherrschte, konnte ich Aufgaben mit größerer Verantwortung übernehmen.

Ich kann sagen, dass kaum ein Monat war, wie der andere. So half ich anfangs noch bei der Essensausgabe in unserem „Comedor“ (Mensa) mit, kehrte den Saal, stellte Tische und Stühle auf. Dort arbeitete ich in einem Team mit 5-7 einheimischen Damen. Da die Arbeit auf so viele Personen aufgeteilt wurde, stand man viel herum und hatte nichts zu tun. Mit meinem typisch deutschen Denken hielt ich dies nicht für sehr sinnvoll und effektiv, war aber froh über die Möglichkeit, die Kinder beim Essen näher kennenlernen zu können.

Mir wurde ab meiner zweiten Woche eine Gruppe von ca. 10 Kindern der „Primaria“ (Grundschule) aus dem Patenschaftsprogramm zugeteilt, um mich mit ihnen jeden Mittwoch zu Spiel und Sport zu treffen. Das war eine besondere Herausforderung, da mein Spanisch noch äußerst begrenzt war und ich noch nicht einmal wusste, wie ich die einfachsten Spielanweisungen geben sollte. Daher fehlte bei der Vorbereitung nie das Wörterbuch. Die Kinder, fast nur Jungs, waren ein sehr aufgeweckter Haufen und hielten mich stets auf Trab. Ich schloss sie schnell ins Herz, hatte jedoch Mühe, eine Konstanz in die Gruppe zu bekommen. Ständig vergaßen sie den Termin oder kamen viel zu spät. Ich erinnere mich noch gut, wie ich einmal vor der Türe saß und auf die Kinder wartete. Sie sollten um 14 Uhr da sein. Es war schon 10 Minuten danach und noch niemand gekommen. Da lief der kleine John aus meiner Gruppe vorbei, winkte fröhlich und rief: „Um zwei, stimmt' s?“ Also begann ich vor den Gruppenstunden eine Runde in Bocachica zu drehen und die Kids zu erinnern. Die Gruppe existierte bis zu den Ferien, die im November anfingen. Danach wechselten die meisten in die „Secundaria“ (ab Klasse 6) und hatten nachmittags Unterricht, sodass sich die Gruppe auflöste.

In den Ferien von November bis Januar gestalteten unsere Sozialarbeiterin, meine deutsche Weltwärtskollegin und ich ein Ferienprogramm. Drei Mal in der Woche planten wir Aktivitäten für die Kinder des Patenschaftsprogramms (wobei auch andere Kinder aus der Nachbarschaft teilnahmen) und führten sie zusammen durch. Dazu gehörten unter anderem Ausflüge an den Strand, Weihnachtsbasteln, Filmnacht, Spielvormittag. Auch hier hatten wir das Problem, dass viele Kinder nicht mehr kamen, besonderes nach den Wochenenden. Das hieß, wir suchten alle 90 Kinder montags zu Hause auf, um sie zu erinnern – manchmal sogar schriftlich. Dieses Ferienprogramm bedeutete viel Spaß und Abwechslung für die Kinder, die neben Fernsehen und Fußballspielen kaum etwas zu tun hatten. Für mich waren diese drei Monate sehr besonders, da ich die Kinder und Jugendlichen auf eine andere Weise und besser kennenlernte. Zum Einen musste ich lernen, Autorität zu sein und mir Gehör zu verschaffen, zum Anderen konnte ich Freundschaften zu ihnen aufbauen.

In der Zeit als die Schule wieder losging, verließ uns eine Mitarbeiterin, die bisher die halbjährlichen Besuche bei den Patenkindern durchgeführt hatte. Da ich sprachlich nun weit genug war, durfte ich diese Aufgabe für sie übernehmen. Zunächst war es eine Überwindung für mich, da ich bisher noch kaum Häuser in Bocachica betreten hatte und viele der Eltern überhaupt nicht kannte. Es war also absolut neues Gebiet für mich. Im Allgemeinen bestand aber eine große Offenheit und in den Gesprächen durfte ich nicht nur einiges über die Persönlichkeiten der Kinder erfahren, sondern konnte auch Einblick in die Nöte, Ängste und in das Denken der Bevölkerung bekommen. Eine Mutter erzählte mir zum Beispiel über ihre Einsamkeit, eine andere über die Schwierigkeit, ihre Kinder mit Essen zu versorgen, ein Vater über die Hoffnung, sein Sohn könnte studieren und nicht wie er Fischer werden.

Auch in den beiden Gruppen für Mütter, die in dieser Zeit gestartet wurden, ging es um solche Themen wie Umgang mit Problemen. Ins Leben gerufen wurden sie von unserer Sozialarbeiterin, weitergeführt von mir. Da sie im April in ihre Heimat zurückkehrte, sollte ich von ihr lernen und dann selbstständig weiter machen. Etwas wichtiges, das ich in all dem lernte, war meinen eigenen Stil zu finden anstatt die Sozialarbeiterin zu kopieren, mich ganz darauf einzulassen und ich selbst zu sein. Das Ergebnis war, dass tiefe Freundschaften zu den Frauen entstanden und sie mir viel Vertrauen entgegenbrachten. Ich freute mich immer, wenn ich auf meinem Weg durch Bocachica an ihren Häusern vorbeiging, und sie mir winkten und Grüsse zuriefen.

Ansonsten übernahm ich Aufgaben, die einfach anfielen. Ein mal im Jahr schreiben die Kinder Briefe an ihre Paten. Ich betreute sie dabei und übersetzte die Briefe dann auf englisch und auf deutsch (bei Paten aus Deutschland und Österreich). Das war ein sehr herausforderndes Unterfangen, da die Kinder von Rechtschreibung und schöner Schrift wohl noch nicht viel gehört hatten. Bei Aktionen für Kinder mir ihren Eltern half ich bei den Vorbereitungen: Popcorn machen und in Tüten füllen, Parcours am Strand aufbauen, Stühle aufstellen, Saft verteilen. Die letzten drei Monate meines Jahres (nachdem die Sozialarbeiterin) uns verlassen hatte, bekam ich, wie bereits erwähnt, mehr Verantwortung zugeteilt. Da die einzige weitere Mitarbeiterin im Urlaub war, setzte sich die Leiterin des Projektes mit mir zusammen, um gemeinsam zu planen, was wie gemacht werden könnte und sollte. Unterstützung bekam ich von einer neuen kolumbianischen Mitarbeiterin, die in meinem letzten Monat dazu stoß. Ich durfte sie sogleich in die verschiedenen Arbeitsbereiche einlernen.

Die ganze Jahr über arbeitete ich auch in unserer kleinen Bibliothek. Die Kinder kamen mit ihren Hausaufgaben zu mir, ich holte das passende Buch und wir suchten gemeinsam nach den Antworten. Als mir das große Interesse an Englisch auffiel, begann ich in der Bibliothek Unterricht zu geben. Zunächst nur einer kleinen Gruppe von Teenagern, dann eine weitere Gruppe von Grundschulkindern. Schließlich auch Erwachsene. Für jede dieser Gruppen gilt: Sie hatten großes Interesse und Lernbereitschaft, aber Verbindlichkeit scheint ein Fremdwort zu sein. Mal kamen sie, mal nicht und fast immer zu spät. Zunächst hätte ich verzweifeln können, hatte ich mich doch lange vorbereitet und wollte eine gute Arbeit machen. Ich überlegte mir mehrere Strategien, doch keine wollte wirklich funktionieren. Schließlich beschloss ich nicht zu verzweifeln, sondern das ganze gelassener zu nehmen und mich nicht aufzuregen, wenn ich wieder einmal nur einen oder keinen Schüler vor mir sitzen hatte.

Wenn ich meine Arbeit und was ich daraus gelernt habe in diesem Jahr zusammenfassen oder bewerten soll, würde ich sagen, dass es prinzipiell gut gelaufen ist. Ich konnte klein anfangen, ständig dazu lernen und hatte immer neue und größere Herausforderungen. Manchmal kam ich mich überfordert vor, aber ich entdeckte, dass ich zu mehr fähig war, als ich mir zugetraut hatte. Ich konnte mich und meine Ideen einbringen, in Absprache mit der Leitung meine Zeit selbst einteilen und vor allem: meine Arbeit drehte sich um Menschen! Es bereitete mir große Freude, ständig in direktem Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern zu stehen. Auch das verlief nicht immer einfach, ganz besonders was das Thema Verlässlichkeit angeht. Aber ich konnte so viel lernen, was mir für meinen zukünftigen Beruf garantiert weiterhelfen wird.

Kultur-Streifzug
Um einen Einblick in mein Leben auf der Insel zu bieten, hier ein Streifzug durch Erlebnisse, die ich dort gemacht habe: Mein erstes Wochenende auf der Insel: Ich kann mich mit niemandem normal unterhalten, weil eine Feier direkt vor unserem Haus veranstaltet wird – man muss sich anschreien, um die laute Musik zu übertönen, die die ganze Nacht läuft. Der Tisch vibriert. Die Wände auch. Aber niemand würde auch nur im Traum daran denken, sich zu beschweren. Zwei Freundinnen sind beleidigt, weil ich eine Einladung zum Essen nicht zusagen kann, da ich an besagtem Termin arbeiten muss.

Während ich mit einigen Kindern und auch einer gleichaltrigen Freundin Memory spiele, hören wir Geschrei von draußen. Es findet eine Schlägerei im Wald statt. Im nächsten Moment sitze ich alleine da. Das ganze Dorf rennt in den Wald, um sich das anzuschauen. Ich möchte am Wochenende aufs Festland fahren. Am Bootssteg warte ich eine Stunde und 40 Minuten ohne zu wissen, ob überhaupt ein Boot fahren wird. Das einzige Transportmittel fährt erst, wenn und falls es genügend Passagiere gibt.

Eines Tages fällt uns auf – wir haben weder gestern noch heute Musik aus der Nachbarschaft gehört. Uns wird erklärt: Ein Nachbar ist gestorben. Aus Tradition und Respekt wird 9 Tage keine Musik gespielt. Vor dem Haus werden Stühle aufgestellt. Bekannte sitzen dort stundenlang, beten Rosenkranz oder tun einfach nichts.

Neudith aus meiner Frauengruppe, als ich erwähne, dass in Bocachica alle Türen offen stehen und jeder in jedem Haus ein und aus geht: „Wenn meine Nachbarin ein Glas braucht, kommt sie halt ins Haus, um es sich zu holen, benutzt es und stellt es wieder zurück, wenn sie es nicht mehr braucht. Sie muss mir nichts davon sagen. Das ist ganz normal.“ Ich sitze auf unserer Terrasse. Dort sehe ich ein Schwein mit seinen Ferkeln durch die Landschaft streifen, da kläffen die hässlichsten Hunde, die ich je gesehen habe. Am Ufer des Meeres steht ein kleiner Junge und pinkelt hinein. Das Feld, auf dem Fußball gespielt wird, ist nicht nur voll mit jungen Männern, sondern auch übersäät von Kuhmist. Die Spieler sind barfuß – so müssen sie nach dem Spielen keine Schuhe putzen. Auf dem Platz vor unserem Haus herrscht reges Treiben. Halbnackte Kinder rennen spielend umher, andere tragen Wasserkanister und setzen sie ab, um sich einen Augenblick auszuruhen. Erwachsene unterhalten sich lautstark, so dass ich denken müsste, dass sie sich streiten, wüsste ich es nicht besser. Im Hintergrund höre ich Champeta-Musik, zwei unterschiedliche Lieder aus verschiedenen Richtungen. Öfters fahren Motorräder vorbei, manchmal gesteuert von einem Kind. Immer wieder bleibt jemand vor der Terrasse stehen, um mit mir ein Schwätzchen zu halten oder sich einen Ball von mir aufpumpen oder ein Glas Wasser geben zu lassen. Ich liebe diese Terrasse! Ich hoffe, man kann sich nun etwas genauer vorstellen, wie meine Erfahrungen in Bocachica aussehen und den ein oder anderen Unterschied zu einem Leben in Deutschland entdecken.

Und was nun?
Die Frage, wie es weitergeht, ist in meinem Fall leicht zu beantworten. Vor meinem Aufenthalt in Kolumbien habe ich Grundschullehramt studiert und mein erstes Staatsexamen gemacht. Ab Februar werde ich mein Referendariat anfangen und das zweite Staatsexamen anstreben, um meine Berufsausbildung abzuschließen. Ich kann mir gut vorstellen, nach dieser Zeit wieder ins Ausland zu gehen und zum Beispiel in einer deutschen Schule in Südamerika zu unterrichten.

Was ich Interessenten sagen möchte
Nach meinen persönlichen Erfahrungen kann ich jedem, der sich für „weltwärts“ interessiert, einen Entwicklungsdienst im Ausland nur empfehlen. Es ist, wie man so schön sagt, eine Horizonterweiterung. Man sieht die Welt danach mit anderen Augen und wird selbst verändert. Vielleicht klingt das jetzt zu allgemein. Ein Beispiel: Die Menschen in Bocachica sind trotz ihrer schwierigen Lebensumstände fröhlich und lachen gerne und sehr viel und beschweren sich nicht ständig. Da kommt mir das häufige Jammern und Klagen über Dinge, die verglichen mit den Problemen auf der Insel winzig sind, lächerlich vor. So kann ich ein Stück weit zufriedener sein, auch wenn nicht alles perfekt läuft.

Man sollte nicht blauäugig in den Entwicklungsdienst hineinschlittern. Es wird Herausforderungen geben. Probleme mit Kultur, Sprache, Lebensstil oder mit den Mitarbeitern werden nicht ausbleiben. Doch wenn man diese Schwierigkeiten als Chance zu lernen begreift, wird man sehr bereichert werden. Versuche so viel Zeit wie möglich mit den Einheimischen zu verbringen, ihr Denken kennenzulernen, sie über ihre Geschichte auszufragen. Wenn du das Land und die Kultur besser verstehen willst, dann suche dir einheimische Freunde, besuche die Menschen zu Hause, gehe mit ihnen zusammen an den Strand, auf den Markt, in den Wald.

Denke nicht, du könntest in einem Jahr alles verändern. Eine praktische Anmerkung: Versuche die Landessprache so weit wie möglich vorher zu lernen. Ich konnte kaum Spanisch und hatte es dadurch nicht einfach.

von Anais Matutis