Erlebnisbericht / Freiwilligenbericht - Marco Matutis - Brasilien Lajeado

Erlebnisbericht / Freiwilligenbericht - Marco Matutis - Brasilien Lajeado

Meine Ankunft in Brasilien

Liebe Familie, Freunde und alle anderen an meinem Projekt Interessierten,

nach der mit ca. 35 Stunden doch relativ langen Anreise sind Tobias und ich müde, aber wohlbehalten in Lajeado angekommen. Hier im Süden Brasiliens ist der Unterschied zwischen Armut und Reichtum echt krass. In einem Viertel stehen die vom Staat errichteten ärmlichen Sozialhäuser, Favellas genannt, einige Straßen weiter die von hohen elektrisch geladenen Zäunen umgebenen Luxushäuser der Oberschicht der Stadt.

Das Gelände des Kinderheims auf dem ich wohne befindet sich zwischen zwei Armenvierteln. Da die Kriminalität hier doch sehr hoch ist, ist es für Tobias und mich nicht ratsam, uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt zu machen, sodass wir meist abends nach getaner Arbeit unsere Freizeit auf dem Grundstück des Kinderheims mit Musik, Lesen oder Spielen verbringen. Für mich ein unerwarteter Luxus: Internet in unserer Wohnung.

Die letzten vier Wochen habe ich mit Tobias damit zugebracht, die Maschinen der Schreinerei des Kinderheims zu zerlegen. Sie standen lange Zeit herum, da niemand da war, der sie bedienen wollte bzw. konnte. Wegen Diebstahl fehlten einige zum Teil sehr teure Ersatzteile. Wir haben jede einzelne Schraube der Maschinen gelöst, alle Führungen und Mechanismen gangbar gemacht und geschmiert.

Nun stehen sie nach vielen teils nervenaufreibenden Stunden aufgebaut und funktionstüchtig an ihrem neuen Einsatzort. Mit Hilfe dieser Maschinen werden wir in Zukunft Holzarbeiten durchführen und Möbel für das Kinderheim bauen. Ich freue mich schon auf diese Herausforderung, da Holz bis dato nicht mein Metier war und ich nun gemeinsam mit Tobias mir alles selbst beibringen darf.

Ich habe mich hier sehr gut eingelebt und die Arbeit macht sehr viel Spaß. Auch mit der Sprache komme ich schrittweise voran. Ich verstehe schon viel und ab und an kann ich den einen oder anderen Satz anwenden, den ich gelernt habe.

Nachdem Tobias und ich die ersten fünf Wochen so gut wie nicht vom Gelände gekommen sind, haben wir mittlerweile einen Freundeskreis gefunden. So fallen mir das Erlernen der Sprache und auch der Umgang mit der brasilianischen Mentalität Schritt für Schritt leichter.


Ganz liebe Grüsse aus Lajeado, Brasilien
und Gottes Segen!
Euer Marco Matutis