Bericht über das Leben als „weltwärts“-Freiwilliger im Cheshire Homes Kabulonga in Sambia

„Disability, the ability to live the same life differently.“

Ich bin nun bereits seit 214 Tagen in Sambia und habe damit einen guten Einblick in die Vielfältigkeit und Abwechslung des Lebens eines „weltwärts“-Freiwilligen im Cheshire Homes Kabulonga erhalten. In diesem Bericht möchte ich daher die Möglichkeit nutzen dich mit auf die Reise nach Sambia zu nehmen und dich so an meinem Abenteuer „Freiwilligendienst im Ausland“ teilhaben zu lassen.

Vielleicht planst du bereits „weltwärts“ zu gehen, du spielst mit dem Gedanken oder befindest dich auch einfach nur in einer Phase der Orientierung und Planung deiner nahen Zukunft – ich hoffe, dass dir dieser Bericht in jedem Fall etwas weiterhelfen und dir einen guten Einblick in meinen sambischen Alltag geben wird.

Zunächst beginnt so ein Freiwilligendienst im Ausland in der Regel mit einer Flut von neuen Eindrücken, Gesichtern und Situationen, die man zuvor vielleicht nicht gewohnt war. Und so begann auch alles bei mir als ich am Flughafen in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, von meinem Mentor abgeholt wurde. Dort begann mein neues Abenteuer, in das ich dich nun mit hineinnehmen möchte...

Mein neues Zuhause: „Zambia – The Real Africa“
Sambia liegt im südlichen Afrika, ist 753.000 km² groß, wird von etwa 14,5 Millionen Einwohnern bevölkert und man findet dort über 70 verschiedene Sprachen, wobei Englisch die offizielle Amtssprache ist. Daneben sind von diesen Sprachen sieben Stammessprachen offiziell anerkannt: Bemba, Nyanja (auch überwiegend in der Hauptstadt Lusaka gesprochen), Lozi, Tonga, Lunda, Kaonde und Luvale. Die Bevölkerung Sambias ist äußerst freundlich, hilfsbereit und kontaktfreudig, sodass man schnell mit zuvor völlig fremden Menschen in ein nettes Gespräch kommt. Die offene Art macht es zudem sehr einfach neue Kontakte zu knüpfen. Das Klima ist tropisch mit einer Regenzeit von November bis April und einer entsprechenden Trockenzeit. Die sambische Bevölkerung ist zu etwa 75 % christlich und zu einem Großteil katholisch.

Bevor ich nun ausführlich zu meinem Projekt, dem Cheshire Homes Kabulonga, übergehe möchte ich in diesem Abschnitt noch kurz berichten wie ich wohne. Ich habe ein eigenes schönes Appartement, das direkt auf dem Projektgelände steht und ich so immer zugegen bin. Das Cheshire Homes Kabulonga wird von Franziskaner Schwestern geleitet, die gemeinsam im Konvent auch auf dem Grundstück leben. Meine Mahlzeiten nehme ich gemeinsam mit Ihnen ein und ab und zu verbringen wir gerne unseren Abend beim Kartenspielen. Jeden Morgen innerhalb der Woche findet in unserer kleinen Kapelle eine Messe statt zu der ich regelmäßig hingehe. Samstags feiern wir hingegen eine Messe mit den Kindern und sonntags gehen wir in verschiedene Kirchen. Es ist sehr schön, dass Leben im Konvent zu erfahren und ein Teil der Gemeinschaft zu sein!

Mein Projekt: Cheshire Homes Kabulonga
Doch nun ist es Zeit mein Projekt, das Cheshire Homes Kabulonga, vorzustellen. Es ist eines von neun verschiedenen Cheshire Einrichtungen in Sambia, die gemeinsam unter der Cheshire Homes Society of Zambia zusammengefasst werden und darüber an Leonard Cheshire Disability UK angegliedert sind. Cheshire Homes Kabulonga wurde 1973 geöffnet und ist damit die erste der neun Einrichtungen in Sambia. Es wurde eröffnet um Kindern mit Behinderungen, speziell Kinderlähmung, den Zugang zur Bildung zu ermöglichen und wird seit der Eröffnung von Franziskaner Schwestern geleitet.

Heute bietet Cheshire Homes Kabulonga  Platz für 30 bis 40 Kinder von fünf Jahren aufwärts, die während der Schulzeit auf dem Gelände leben, dort zum Unterricht und zur Physiotherapie gehen. Daneben gibt es einige Kinder, die täglich zum Unterricht und zur Physiotherapie gebracht werden, aber ansonsten in ihrer Familie leben. Dies wäre der Idealzustand, doch aufgrund von großen Entfernungen oder Armut ist es vielen Eltern nicht möglich ihr Kind täglich zu einer speziellen Schule für Kinder mit Behinderungen zu bringen und daher bietet Cheshire Homes diesen Kindern ein Zuhause während der Schulzeit.

In den Schulferien leben diese Kinder jedoch auch in ihren Familien. Die häufigsten anzufindenden Fälle sind Kinderlähmung, Talipes („Klumpfuß“), Amputationen, Osteogenesis imperfecta und Muskeldystrophie.
Cheshire Homes Kabulonga ist ein Transit-Haus, das sich die Rehabilitation der Kinder zur Aufgabe gemacht hat. Dies bedeutet, dass die Kinder lediglich für ein paar Jahre in dieser Einrichtung leben um dort zu rehabilitieren. Dies geschieht durch Operationen, Physiotherapie, schulische Bildung und das liebevolle Umsorgen der Schwestern sowie des Personals. Das Ziel von Cheshire Homes Kabulonga ist es möglichst vielen Kindern zu helfen und diese jeweils mit einem gewissen Grad an Unabhängigkeit zu entlassen, sodass sie in der Lage sind in einer anderen Einrichtung ihre Schulbildung abzuschließen.

Meine Arbeit: Freiwilliger im Cheshire Homes Kabulonga
Die Arbeit als Freiwilliger im Cheshire Homes Kabulonga ist sehr vielfältig und bietet jede Menge Raum zum Einbringen eigener Ideen und Konzepte. Im Großen und Ganzen ist die Hauptaufgabe jedoch das Betreuen der Kinder. Bevor ich dieses Aufgabenfeld ausführlich beschreibe möchte ich kurz die weiteren Aufgaben anschneiden.

Zunächst gibt es den Punkt Fundraising, da Cheshire Homes Kabulonga auf Spendengelder und Sponsoren angewiesen ist. So versuche ich in diesem Bereich auf unterschiedliche Art und Weise mitzuhelfen. Sei es durch die Stellung eines Antrages, den Entwurf von Weihnachtskarten für unsere Sponsoren oder die Gestaltung der neuen Broschüre. Ein weiterer Bereich ist die Teilnahme am sogenannten Assessment.

Einmal pro Woche finden sich im Cheshire Homes Kabulonga Kinder mit Behinderungen ein, die dort von einem Doktor sowie einem Physiotherapeuten untersucht werden und über eine Aufnahme beziehungsweise andere Hilfestellung beraten wird. Nach einiger Zeit bin ich zu einem relativ festen Mitglied dieses Teams geworden und helfe dort bei der Befragung der Eltern mit. Daneben agiere ich als „Fotograf“ in unserem Projekt und sorge dafür, dass von jedem Event und jeder Spendenübergabe schöne Bilder entstehen, die in unserem Büro für das Schreiben von Berichten benötigt werden. Ansonsten wird von Zeit zu Zeit eine helfende Hand an unterschiedlichster Stelle wie beispielsweise im Büro oder bei der Dekoration der Kapelle benötigt.

Nun jedoch zurück zu meiner Hauptaufgabe, der Betreuung der Kinder. Diese beginnt für mich morgens mit dem Unterricht. Ich versuche jeden Morgen dort zu assistieren und die Lehrer etwas zu unterstützen. Nach dem Unterricht geht es zum Mittagessen über, wobei ich in der Regel bei der Essensausgabe mithelfe und von Zeit zu Zeit einen unserer kleinen Bewohner füttere. Nach der Mittagspause steht für die Kinder kein Programm mehr auf dem Plan und daher beginnt hier meine wichtigste Aufgabe, die Gestaltung des Nachmittags.

So spielen wir bei gutem Wetter nahezu täglich Fußball und verbringen ein paar Stunden auf dem Spielplatz. Wir spielen Bowling mit Flaschen, Dosenwerfen, Karten, Brettspiele, lesen gemeinsam Bücher oder legen gute Musik auf und haben zusammen Spaß. Dazu habe ich eine DVD mit christlichen Kinderliedern wie zum Beispiel „If you're happy and you know it...“ besorgt bei der unsere Kinder sehr viel Spaß haben und nebenher Englisch lernen, was ebenfalls ein Ziel meiner Freiwilligenarbeit ist. Daneben habe ich begonnen mit den Kindern kurze Bibelstunden zu machen, die ich in Zukunft mit Spielen oder Bastelaktionen erweitern werde.

All' dies findet zurzeit jedoch noch recht spontan statt und zwischendurch findet man die Kinder auch immer wieder einfach nur vor dem Fernseher sitzen. Um dies zu verringern werde ich im nächsten Trimester mit der Einführung eines festgelegten Nachmittagsprogramms beginnen.

Dies stellt die „spielerische“ Seite der Betreuung dar. Hinzukommt das Begleiten zur Toilette, die Versorgung kleiner Wunden und das Verteilen von Medikamenten, das Ausschenken von Wasser und die Verteilung von Snacks in den Pausen, in der Regel auch die Mithelfe beim Zubettbringen und von Zeit zu Zeit das Baden der Kinder sowie alles was im Zusammenhang mit spielenden Kindern noch so aufkommt.
Insgesamt ist das Aufgabenfeld also sehr vielfältig und kann mit Sicherheit auch noch erweitert beziehungsweise verlagert werden.

Man kann sehr viele seiner Ideen einbringen, selbstständig planen und dadurch seine eigenen Vorstellungen und Kreativität einfließen lassen. Es ist meiner Meinung nach eine sehr wichtige Aufgabe für diese Kinder da zu sein und ihnen Gottes Liebe weiterzugeben. Ich liebe meine Arbeit mit unseren Kindern wirklich sehr und habe jedes Einzelne fest in mein Herz geschlossen. Es ist eine Aufgabe, die mich erfüllt, mir so viel zurückgibt und das Lächeln der Kinder ist am Ende des Tages jede Mühe wert gewesen!

Meine Freizeit: Eintauchen in die sambische Kultur und Landschaft
Neben der vielen Arbeit hat man im Cheshire Homes Kabulonga selbstverständlich auch seine Freizeit um die Kultur und Landschaft Sambias kennenzulernen. In meinem Fall teile ich mir meinen freien Tag pro Woche immer spontan ein, abhängig von dem was für die Woche geplant ist. Zu Beginn war es sehr schwierig neue Kontakte zu knüpfen und so junge Leute im gleichen Alter kennenzulernen, da ich fast ausschließlich im Projekt war – ich arbeite und lebe dort. Und so geht man ohne Kontakte nach außen zunächst kaum aus dem Eingangstor hinaus.

Um dies zu ändern bin ich dem Jugendchor der St. Ignatius Kirche in Lusaka beigetreten, wodurch ich unfassbar viele nette Menschen kennengelernt und neue Freunde gefunden habe. So gehe ich in meiner Freizeit zu Chorproben, nehme an Wohltätigkeitsveranstaltungen wie das Kochen für Kranke teil, treffe mich abends zum Pizza essen oder gehe Schwimmen mit der Jugendgruppe. Ab und zu fahre ich auch einfach gern mit dem Minibus oder Fahrrad in die Stadt und genieße es über den Markt und durch die Stadt zu laufen oder in ein Shoppingcenter zu gehen.

Sambia bietet zudem sehr schöne Plätze, die es definitiv wert sind einige Stunden Busfahrt auf sich zu nehmen. An erster Stelle stehen hier ganz klar die gewaltigen und und atemberaubenden Viktoriafälle in Livingstone. Daneben gibt es viele weitere schöne Flecken wie den See Kariba, die Idylle in Kabompo oder die vielen Nationalparks, die immer ein Besuch wert sind.

Alles in allem bietet Sambia und auch Lusaka selbst jede Menge Möglichkeiten um seine Freizeit zu gestalten und ausreichend Abwechslung zum Arbeitsalltag im Projekt zu schaffen, sodass man neue Kraft für die Arbeit mit den Kindern schöpfen kann.

Meine Veränderung: Durch Horizonterweiterung und Grenzerfahrungen
Wagt man den Schritt für ein Jahr ins Ausland zu gehen spricht man häufig von einer Horizonterweiterung, von Grenzerfahrungen oder über das Reifen und über sich Hinauswachsen. Nach mehr als einem halben Jahr in genau dieser Situation kann ich sagen, dass all' dies auch wirklich zutrifft. Man sammelt in diesem besonderen Jahr viele einzigartige Erfahrungen und verändert sich dadurch. Man wächst und reift in seinen Werten, charakterlich und geistlich. Außerdem hilft mir der interkulturelle Austausch sowie der neue Blickwinkel über vieles nachzudenken und manche Dinge neu zu betrachten.

Man lernt in der Zeit als Freiwilliger eine Menge hinzu. In meinem Fall konnte ich bisher sehr viel im Umgang mit Kindern mit Behinderungen und wie man für sie sorgt lernen. Daneben hab ich das Leben von Ordensschwestern kennengelernt und dadurch mein zuvor vorhandenes und völlig verdrehtes Bild ersetzen können. Man lernt sich in einem fremden Land, einer fremden Kultur und anderen Sprache zurecht zu finden, sich in vorhandene Strukturen zu integrieren und an den gegenwärtigen Lebensstil anzupassen. Mir persönlich hat die bisherige Zeit in Sambia und die Vorbereitung zuvor auch geholfen mich selbst besser kennenzulernen, mir über meine Stärken und Schwächen bewusst zu werden und meine Beziehung zu Gott zu verstärken.

Deine Zukunft?
Ich hoffe, dass dir dieser Bericht einen guten Einblick in mein Leben als Freiwilliger im Cheshire Homes Kabulonga in Sambia gibt. Vielleicht planst du bereits „weltwärts“ zu gehen, du spielst mit dem Gedanken oder befindest dich auch einfach nur in einer Phase der Orientierung und Planung deiner nahen Zukunft – ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und Gottes Segen für deinen weiteren Weg!

Mir bleibt zum Abschluss nur dich zu ermutigen den Schritt zu wagen Familie und Freunde hinter dir zu lassen und als Freiwilliger im Ausland einen Entwicklungsdienst zu absolvieren. Du wirst viel erleben, dich verändern und diesen Schritt mit Sicherheit nicht bereuen!

Liebste Grüße aus Lusaka,
Simon Alexander Peter